Pressemitteilung Detail
Über 25 Jahre Akkreditierung in der Pathologie
Was vor mehr als 25 Jahren mit einer mutigen Entscheidung begann, ist heute ein etabliertes System der Qualitätssicherung: Die Akkreditierung der Diagnostik im Bereich Pathologie und Neuropathologie hat sich in Deutschland zu einem besonderen und international beachteten Ansatz entwickelt. Im Mittelpunkt steht dabei die fachliche Kompetenz – und damit die Qualität der diagnostischen Entscheidung.
Im Jahr 1999 wurde das erste Institut für Pathologie in Deutschland akkreditiert. Seitdem hat sich die Akkreditierung kontinuierlich weiterentwickelt. Heute sind zahlreiche Institute der Pathologie und Neuropathologie akkreditiert. Damit nimmt Deutschland im europäischen Vergleich eine besondere Stellung ein.
Aus der Erfahrung für die Qualität
Die Anfänge der Akkreditierung in der Pathologie reichen ins Ende der 1990er-Jahre zurück. Der Essener Pathologie-Skandal, bei dem zahlreiche Fehldiagnosen zu unnötigen Operationen bei rund 300 Frauen führten, machte eindrücklich deutlich, welche Bedeutung verlässliche Strukturen für die Qualität medizinischer Diagnostik haben.
Neben weiteren Maßnahmen zur Qualitätssicherung, wie beispielsweise die Einführung interdisziplinärer Tumorkonferenzen, wurde deshalb auch die Akkreditierung als Instrument etabliert, um die fachliche Kompetenz der Institute für Pathologie und Neuropathologie unabhängig und systematisch überprüfen zu können. Eine wichtige Initiative ging dabei vom damaligen Vorsitzenden des Berufsverbandes Deutscher Pathologen (BDP), Professor Werner Schlake, aus. Unterstützt haben unter anderem auch Professor Heinz Höfler (Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.) sowie Professor Reinhard Bollmann, der auch die Verbindung zu der Arbeitsgemeinschaft zytologisch tätiger Ärzte in Deutschland e.V. (AZÄD) ermöglichte.
Die Diagnose im Mittelpunkt
Von Beginn an wurde in Deutschland ein besonderer Schwerpunkt in der Akkreditierung gesetzt: Im Mittelpunkt der Akkreditierung sollte die stufendiagnostische Vorgehensweise, die sachverständige (also fachärztliche) Beurteilung und damit die Diagnose stehen.
Deshalb wurden für die Pathologie und Neuropathologie die Anforderungen der DIN EN ISO/IEC 17020 als Grundlage gewählt. Damit beschritt Deutschland einen im europäischen Vergleich ungewöhnlichen aber zielführenden Weg. Die Anforderungen der DIN EN ISO 15189 wurden und werden weiterhin gemäß ILAC P15:06/2014 und generell, sofern diese in der Pathologie umsetzbar sind, ebenfalls berücksichtigt.
Der essentielle Unterschied des Ansatzes in Deutschland zeigt sich unmittelbar in der Begutachtung vor Ort: Anhand einer Stichprobe werden diagnostische Fälle vollständig nachvollzogen. Das bedeutet, die Befunde werden überprüft, die fachärztliche Entscheidung fachlich hinterfragt und die Präparate des Falles durch die Fachbegutachtenden nachmikroskopiert.
Dass Institute bereit sind, ihre Diagnosen und Obduktionsergebnisse einer solchen unabhängigen und detaillierten Überprüfung zu unterziehen, ist eine besondere Stärke des Akkreditierungsansatzes hier. Sie steht für den hohen Qualitätsanspruch in der Pathologie und die Bereitschaft, die eigene fachliche Arbeit regelmäßig hinterfragen zu lassen und damit weiterzuentwickeln. Somit wird sie im besonderen Maße den Erwartungen der Patienten und den Ansprüchen der Fachdisziplin selbst gerecht.
Gemeinsam entwickelt: Fachwelt und Akkreditierung
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Entwicklung der Akkreditierung war die von Beginn an enge Zusammenarbeit zwischen der Fachwelt und der Akkreditierungsstelle. Im damaligen Akkreditierungssystem in Deutschland wurde das Instrument der Sektorkomitees für diese Art der Zusammenarbeit genutzt.
Am 6. Juni 2001 wurde in Münster das Sektorkomitee Pathologie/Neuropathologie gegründet, das in den folgenden Jahren eine wichtige Rolle in diesem fachlichen Austausch spielte.
International beachtet
Der deutsche Ansatz hat auch international Anerkennung und Aufmerksamkeit gefunden. Im Rahmen der European co-operation for Accreditation (EA) wurde untersucht, welcher Akkreditierungsstandard für unterschiedliche Tätigkeiten im Bereich der Pathologie geeignet ist.
Die Ergebnisse sind im Bericht „One Voice – The Definition of the Preferred Accreditation Standard“ dokumentiert. Der Bericht betrachtet die unterschiedlichen Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten im Bereich der Pathologie und zeigt die Bedeutung einer aufgabengerechten Auswahl des Akkreditierungsstandards auf.
Damit findet auch die in Deutschland über viele Jahre entwickelte Verbindung von fachlicher Expertise, diagnostischer Verantwortung und Akkreditierung Eingang in den europäischen fachlichen Diskurs.
Qualität braucht Anspruch und Kontinuität
Die medizinische Diagnostik entwickelt sich kontinuierlich weiter. Neue Verfahren, insbesondere in der Molekularpathologie, stellen neue Anforderungen an Kompetenz und Qualitätssicherung. Gleichzeitig ist und bleibt die nachvollziehbare und verlässliche diagnostische Entscheidungsfindung von essentieller Bedeutung.
Die Akkreditierung bietet hierfür einen international anerkannten und transparenten Rahmen. Sie schafft Vertrauen in die Kompetenz einer Einrichtung durch eine unabhängige fachliche Überprüfung und unterstützt somit die kontinuierliche Sicherung der Qualität auf hohem Niveau.
Eine Erfolgsgeschichte, die weitergeht
Mehr als 25 Jahre Akkreditierung in der Pathologie und Neuropathologie zeigen, was durch das Zusammenspiel von fachlicher Expertise und Akkreditierungskompetenz erreicht werden kann. Die DAkkS würdigt die zahlreichen Expertinnen und Experten, die diesen Weg bereits über viele Jahre begleiten und mitgestalten.
Die Akkreditierung in der Pathologie und Neuropathologie ist eine Erfolgsgeschichte. Sie steht für den Anspruch der Fachärztinnen und Fachärzte, diagnostische Kompetenz unabhängig überprüfen zu lassen, Qualität transparent zu machen und die medizinische Diagnostik kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Die DAkkS wird diesen gut etablierten Weg weiterhin unterstützen.
Weitere Informationen
Kontakt
Dr.-medic Simona Curelea
Fachbereichsleiterin FB 3.5 Medizinische Laboratoriumsdiagnostik 1 | Pathologie